Jahrzehntelang stand sie im Keller des Redaktionshochhauses wie ein Denkmal vergangener Betriebsfeste: eine Gulaschkanone aus dem Jahr 1967, zuverlässig, schwer, leicht rußgeschwärzt. Hausmeister Ralph Siegloch war stets stolz auf das Gerät. „Mit der habe ich mehr Krisen gelöst als jede Mediation“, sagte er gern – und meinte damit in erster Linie hungrige Belegschaften.
Nun soll die Kanone weiterziehen. Nicht aus Altersgründen, nicht aus Platzmangel, sondern als gute Tat. Siegloch hat beschlossen, das gute Stück in die Ukraine zu geben. „Dort wird sie dringender gebraucht als hier im Keller“, erklärt er mit ernster Miene vor einem internationalen Journalistenteam aus Bremerhaven.
Siegloch weiter: „Ich habe da ein paar Modifikationen vorgenommen“. dabei klopft er auf das frisch lackierte Metall. Die Kanone sei technisch so angepasst worden, dass sie russische Raketen vom Himmel holen könne, bis keine mehr übrig sind.
Details zu Mechanik oder Reichweite bleiben allerdings vage. Stattdessen spricht der Hausmeister von optimierter Druckverteilung, präzisem Ausstoßwinkel und strategischer Deckelspannung.
Betti Brotlos notiert: Umrüstung mit begrenzter Nachweisbarkeit.
Carmen Kreuz betrachtet das Gefährt und stellt fest, dass der Kessel weiterhin eindeutig nach Eintopf aussieht.
„Es geht um Solidarität“, betont Siegloch. „Wenn ich helfen kann, dann helfe ich. Und wenn es nur mit einer Kanone für Gulasch ist.“
Dann kündigt er einen Probeschuss an.
Ein Zischen, ein dumpfer Knall – und statt einer hochpräzisen Abwehrmaßnahme rieselt ein farbenfroher Schauer aus Konfetti über den Hof. Rote, blaue, gelbe Papierstreifen bedecken Kameras, Notizblöcke und ein verdutztes, internationales Journalistenteam aus Bremerhaven.
Für einen Moment sagt niemand etwas.
Siegloch blickt nach oben, beobachtet das langsam fallende Konfetti und nickt nachdenklich, bis er schließlich meint: „Gut, da muss ich wohl nochmal nachjustieren.“
Ob die Gulaschkanone jemals mehr leisten wird als ein symbolisches Zeichen, bleibt offen. Doch der Wille zur Hilfe ist eindeutig. Und vielleicht beginnt jede große Geste mit einer gehörigen bunten Konfettiladung….




