Erich Eichenwälder
Eichenwälder ist Verlagschef und gilt gemeinhin als Stinkstiefel – allerdings als einer mit Herz. Dieses Herz ist nicht immer leicht zu erkennen, eigentlich so gut wie nie, doch Eichenwälder selbst betont regelmäßig, dass er sich zutiefst verantwortlich fühlt: für seine Belegschaft, für die Abläufe im Redaktionshochhaus und selbstverständlich auch für alles, was sich außerhalb davon ereignet. Er regiert mit harter Hand, duldet keine Nachlässigkeiten und lässt sich nur in absoluten Ausnahmefällen erweichen. Wofür genau, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Sollte Eichenwälder einmal nicht im Dienst sein – ein Zustand, der nach übereinstimmenden Berichten eher theoretischer Natur ist – widmet er sich seiner Luftpumpensammlung. Dieses Hobby, so sagt er selbst, verschaffe ihm innere Ruhe. Besonders stolz ist er auf ein Exemplar aus Paderborn, das einst dem Neffen der Sekretärin des Bürgermeisters gehört haben soll. Die Pumpe ist über zwanzig Jahre alt und funktioniert noch immer tadellos, was Eichenwälder regelmäßig als Beweis für nachhaltige Wertarbeit anführt. Dieser Umstand erleichtert es auch der Redaktion, Jahr für Jahr ein passendes Geburtstagsgeschenk für ihren Chef zu finden – die Auswahl ist klar begrenzt, aber verlässlich.
Von sich selbst sagt Eichenwälder, er sei ein ausgesprochen bescheidener Zeitgenosse, dem Statussymbole vollkommen gleichgültig seien. In einem Interview mit der New York Times brachte er diese Haltung einst auf den Punkt: „Ich gehe auf die Toilette, wie jeder andere Mensch auch!“ Der einzige Luxus, den er sich zugesteht, sei ein Bugatti La Voiture Noire, der allerdings meist ungenutzt in der Garage seiner Villa am Sternfelder See stehe. Wenn Eichenwälder einmal Zeit findet, was nach eigener Aussage selten vorkommt, widmet er sich hingebungsvoll der Pflege des Fahrzeugs – nicht aus Eitelkeit, wie er betont, sondern aus Respekt vor der Technik.
Eichenwälder ist ein Arbeitstier. Er hat es zu etwas gebracht, weil er fleißig ist. In einer vor vier Jahren auf 3sat ausgestrahlten Dokumentation erklärte er ausführlich, dass seine beruflichen Erfolge nichts mit dem Vermögen seiner Eltern zu tun hätten. Zwar stammt er aus einer Milliardärsfamilie, doch habe man ihm früh beigebracht, sparsam zu sein und den Wert des Geldes zu schätzen. So begann seine Laufbahn, nach eigenen Angaben, als Zeitungsausträger – eine prägende Zeit, wie er sagt, die ihm gezeigt habe, wie hart das Leben sein könne. Wenig später kaufte er den Verlag, setzte sich selbst an die Spitze und bewies damit eindrucksvoll, dass sich Aufstieg lohnt, wenn man nur diszipliniert genug erbt, spart und Verantwortung übernimmt.
Zwischen Luftpumpe, Bugatti und eiserner Hand bleibt damit vor allem eines klar: Eichenwälder ist fest davon überzeugt, ganz nah an der Lebensrealität der hart arbeitenden Menschen zu sein. Dass diese Realität gelegentlich eine andere ist, scheint ihn dabei nicht weiter zu beunruhigen.

